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Hola TSV'ler!

Ich bin zwar schon ein paar Tage wieder zurück, aber ich möchte euch gern von meiner schönsten und größten Badmintonerfahrung berichten. Wenn ich alles erzählen möchte, muss ich etwas weiter ausholen, da die "Reise" für mich schon im Januar begann.

 

Da fanden die SEM meiner Altersklasse in Annaberg statt, die ich im Gegensatz zur letzten mit 2 SEM-Titeln beenden konnte. Im März stand dann die Südostdeutsche Meisterschaft auf dem Programm, zu der ich mit gemischten Gefühlen gefahren bin. Im Vergleich zum Vorjahr konnte ich nicht zu 100% trainieren, da mich eine Entzündung im Fuß immer wieder ausbremste. Aber vielleicht war das für meinen Kopf gar nicht so verkehrt, da die Erwartungen an mich selbst nicht ganz so groß waren. Auch der Gedanke an die SOEM des letzten Jahres bremste meine Erwartung, da ich gefühlt „fit wie noch nie“ nicht auf das Spielfeld brachte. Damals hieß es Aus in der 2. Runde und zwar Aus mit dem Ziel, an der deutschen Meisterschaft teilzunehmen. Da hatte ich 2 - 3 Monate dran zu knaupeln, da ich viel Kraft und Zeit investiert hatte. Ob es letztes Jahr der Kopf war, der mich verkrampfen ließ oder einfach eine schlechte Tagesform, kann ich nicht genau differenzieren. Dieses Jahr wollte ich aus dem Grund von Spiel zu Spiel schauen und mich überraschen lassen, was am Ende rauskommt. Vom Körperlichen her war es das härteste Turnier dieses Jahr. Ich musste in meinen 4 Einzeln jeweils über die volle Distanz von 3 Sätzen gehen. Auch hier wurde ich an meine Erfahrung vom Vorjahr erinnert, da ich schon im zweiten Spiel einen Matchpunkt gegen mich abwehren musste und nur mit viel Mühe die nächste Runde erreichte. Im Halbfinale traf ich auf meinen "Vorjahresbezwinger" aus Nürnberg und nach eigenem Satzball und eigentlich einem Punkt für mich, verlor ich nach Wiederholung des Ballwechsels mit 27:25. Einen Moment zweifelte ich wieder an allem, aber im Gegensatz zum Vorjahr konnte ich das spielerisch lösen und gewann Punkt für Punkt wieder Selbstvertrauen und gewann am Ende Satz 2 und 3 nach einer für mich sehr ordentlichen Leistung. Mit diesem Sieg hatte ich schon die Quali für die Deutsche Meisterschaft erreicht und konnte „mein Desaster“ vom letzten Jahr fast vergessen. Im Finale konnte ich frei aufspielen und gegen meinen Doppelpartner Martin Höppner knapp in 3 Sätzen gewinnen. Ein hartes Stück Arbeit, wir haben beide eine ähnliche Spielweise und versuchen über lange Ballwechsel zu punkten. Nach jeweils einem Satz für jeden konnte ich in Satz 3 nach einem 12:15 Rückstand mit der nötigen Fitness und einigen richtigen Entscheidungen mit 21:17 gewinnen. Nun endlich hatte ich das Ticket und sogar einen Setzplatz für die DEM in Saarbrücken.

 

Nach dem Turnier musste ich leider wieder fersenbedingt pausieren, da der Fuß wieder schmerzte. Auf den Punkt genau war ich kurz vor der DEM wieder fit und konnte 15 Jahre nach meiner letzten Teilnahme an einer DEM starten! Mein Ziel war es, bei einem so großen Turnier ein Spiel zu gewinnen. Die Nervosität war groß, als ich den ersten Aufschlag machte. Ich kam nach einigen unnötigen Fehlern gut ins Spiel und konnte auch hier wieder einen 16:12 Rückstand wettmachen und zu 17 gewinnen. Dies habe ich auch meinen Jahren beim TSV zu verdanken, in denen ich lernte, Schwächen und Stärken des Gegners zu erkennen und dieses Wissen jeweils zu nutzen. Der 2. Satz war dann souverän und ohne unnötige Fehler und sicherte mir mein Minimalziel. Im Viertelfinale traf ich auf den an Nummer 3 Gesetzten und konnte wieder frei aufspielen, da meine Erwartungen schon erreicht waren. Der erste Satz ging knapp an mich und als ich merkte, dass ich tatsächlich gewinnen konnte, verlor ich am Ende des zweiten Satzes etwas meine Linie und verlor nach 3 Matchbällen mit 25:23. Ich haderte in der Spielpause mit mir und trauerte den 3 Matchbällen nach, versuchte aber gedanklich mein Spiel wieder zu ordnen und in Satz 3 hieß es dann, Punkt für Punkt zu spielen und Geduld zu haben. Das Punkteverhältnis blieb lange ausgeglichen und es konnte sich bis zum Seitenwechsel keiner von uns eine größere Führung erspielen. Erst beim Stand von 13:13 merkte ich, dass das Spiel meinen Gegner viel Kraft gekostet hat. Mit 3 Finten im richtigen Moment und an der richtigen Stelle konnte ich mich um 3 Punkte absetzen. Auch psychisch waren diese 3 Punkte für mich ein Gewinn, da mein Gegner sichtlich demoralisiert schien. Dank meiner etwas besseren Fitness und dem Rückhalt des fast gesamten sächsischen Badmintonteams konnte ich mich mit 21:17 durchsetzen. Dies hieß mindestens Platz 3 und Quali für die Europameisterschaften. Da ich mit einem Podestplatz bei Weitem nicht gerechnet habe, war ich megaglücklich.

 

Leider hatte sich in dem Spiel meine Ferse wieder so entzündet, dass ich das Halbfinale im Einzel sowie Doppel und Mixed nur noch unter großen Schmerzen spielen und nur noch ein Mixed gewinnen konnte. Eine schöne Erfahrung hatte ich allerdings noch im Doppel, als wir gegen den 7-fachen deutschen Meister und Olympiateilnehmer Björn Jopien spielen durften. Trotz meiner körperlichen Einschränkung verloren wir gar nicht so klar und das machte Hoffnung, was alles möglich sein könnte, wenn man einen optimalen Tag erwischt.

Nach der DEM wollte ich der Ursache der Probleme meiner Ferse auf den Grund gehen. Viele Arzt- und Osteopathenbesuche sowie eine Stoßwellentherapie gegen die Entzündungen zwangen mich zu 11 Wochen Sportverbot. So lange hatte ich noch nie aussetzen müssen und ich wusste, je länger die Pause, um so mehr muss ich tun, um wieder an die alte Form anzuknüpfen. Zwischendurch zweifelte ich von Woche zu Woche mehr daran, rechtzeitig fit zu werden, um sinnvoll an der Europameisterschaft teilnehmen zu können. Das erste Mal nahm ich Mitte August zum Trainingswochenode des TSV wieder den Schläger in die Hand, doch leider konnte ich nicht den vollen Trainingsumfang bewältigen und musste zwischendurch abbrechen. Eine positive Sache hatte meine Teilnahme allerdings, ich fiel Clemens in die Hände und er bewies, dass er ein klasse Therapeut ist und löste das Rätsel, warum es nicht besser wurde: eine Blockade im unteren Sprunggelenk. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an Dich, Clemens, und ich hoffe, die Inanspruchnahme deiner Fähigkeiten artet jetzt durch die Erwähnung nicht noch mehr aus.

 

Es wurde danach Stück für Stück besser und ich hatte noch 4 Wochen bis zur EM. Meinen großen Trainingsrückstand versuchte ich mit 4-mal Training pro Woche zu kompensieren und wieder fast auf den Tag genau war ich fit genug und der Teilnahme an meinem größten Badmintonerlebnis stand nichts mehr im Wege.

Das Quälen hatte sich also gelohnt und am Sonntag, den 24.09.18 war es dann soweit: ich stand mit meinem Doppelpartner am Check-In nach Madrid. Flug und Mietwagenübernahme waren reibungslos. Auf ging's gleich vom Flughafen aus in die Halle nach Guadalajara. Dort bestand die Möglichkeit, die Halle zu testen und 15 Minuten Felderfahrung zu sammeln. Ich hatte schon ein wenig Gänsehaut, als ich auf einem der 12 Spielfelder stand - gefühlt hatte sich schon jetzt der Aufwand gelohnt. Die Bälle waren sehr schnell und flogen beim Durchschlagen ca. 80 cm weiter als gewohnt. Dies galt es dann eher in die Höhe der 20 m hohen Halle umzuwandeln, da die Bälle durch uns nicht geknickt werden durften. Beim abendlichen Teammeeting des 181 "Mann-starken“ Teams aus Deutschland erfuhren wir Wichtiges zu den Rahmenbedingungen des Turniers. Dies war natürlich alles neu für mich wie z. B. ohne Aufruf spielbereit am Meetingpoint zu sein; Überprüfung der Spielkleidung; das Nachweisen der Akkreditierung, spielberechtigt zu sein und noch vieles mehr.

 

Am Montag startete ich ins Turnier und als Minimalziel wollte ich wieder ein Spiel gewinnen. Mein erster Gegner ließ dies zu und ich gewann relativ klar. Dienstag war spielfrei und wir genossen ein wenig Sightseeing in Madrid. Am Mittwoch ging es dann weiter und ich musste gegen den aktuellen Weltmeister auf die Matte. Ich wusste also, was auf mich zukam und ich genoss diese Erfahrung, gegen einen Weltklasse Spieler zu spielen, der über 20 Jahre Profi war. Ich versuchte, mich gut zu verkaufen und keinen Ball verloren zu geben. Auch wenn er nicht mit der möglich gewesenen Aggressivität spielte, die er in petto hatte, versuchte er die Ballwechsel auszuspielen, aber das ist ja genau mein "Ding". Lange Ballwechsel waren die Belohnung und ich verlor 21:15. Im zweiten Satz fand ich eine gute Mischung aus Angriff und Verschleppung des Spielrhythmus´ meines Gegners und zwang ihn hier und da zu einem Fehler. Am Ende des Satzes war ich bei 100 % meines Spielvermögens und er verpasste den Sprung zur nötigen Aggressivität in den letzten Ballwechseln. So kam ich dazu, ihm den einzigen Satz des gesamten Turniers mit 21:17 abgeluchst zu haben. Im 3. Satz machte er allerdings deutlich, was möglich ist, und gewann verdient mit 21:9.

 

Nach einigen Beglückwünschungen von Spielern, die ich nicht kannte, unter anderem der aktuellen Weltmeisterin, war ich sehr zufrieden und wusste mich gut verkauft zu haben. Das gab mir Motivation für das bevorstehende Doppel. Wir ahnten schon, dass die Auslosung gegen zwei Dänen in Runde 1 uns alles abverlangen würde, wenn wir gewinnen wollen. Matchplan war, durch die schnellen Bälle nicht zuviel vom Netz wegzuspielen und einen der beiden Dänen, die Nummer 3 im Herreneinzel, aus dem Spiel zu nehmen. Dies gelang uns nicht immer, auch das gute Netzspiel des Gegners ließ dies nicht immer zu. Leider verloren wir ganz knapp mit 21:19 und brachten dem Gegner dadurch wieder mehr Sicherheit. Wir konnten in Satz 2 eine 16:13-Führung nicht nutzen und verloren unglücklich 18:21. Wir waren enttäuscht und brauchten einen Tag, um auch etwas Zufriedenheit aus dem Spiel mitzunehmen. Aber auf so einem Niveau und unter diesen Bedingungen reichen eben keine 90 %. Am Ende des Turniers wurden unsere Gegner aus Dänemark Vizeeuropameister und das unterstrich nochmals, dass unsere Doppelleistung gut, aber leider nicht gut genug war. Die nächsten Tage verbrachten wir trotzdem in der Halle und saugten noch etwas von der tollen Atmosphäre auf und coachten und bejubelten unsere anderen sächsischen Teilnehmer zu mehreren Bronzetiteln.

 

Ich hoffe, dass ich diejenigen, die bis hierhin gelesen haben, nicht zu sehr gelangweilt habe. Ich habe meine Erfahrungen so widergespiegelt, wie ich sie gefühlt und erlebt habe und vielleicht nimmt der eine oder andere daraus etwas für sich mit - wie beispielsweise auch manchmal mit negativen Situationen oder Erlebnissen umzugehen und trotz diesen seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Vielleicht gehören negative Erlebnisse auch dazu, um die positiven noch mehr zu schätzen und daraus so viel Motivation wie möglich zu schöpfen. Oder für die Oldies unter euch: für einige Ziele ist man nie zu alt. Da ich mittlerweile auch schon dazu gehöre, nehme ich mir das Recht heraus, so “weise“ zu klingen. Versucht, auf euren Körper zu hören und gönnt ihm bei Verletzungen ausreichend Erholung. Ich zumindest habe in den letzten 2 Jahren viel (auch über mich) gelernt und das, obwohl ich mittlerweile schon mehr als 27 Jahre Badminton auf dem Buckel habe. Also habt Spaß und kämpft um eure jeweiligen Ziele.

 

Zu guter Letzt ein RIESENGROßES DANKESCHÖN an den TSV Dresden für die finanzielle und auch moralische Unterstützung auf meinen vielen Stationen.

 

Bis bald... Prinzl.

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